Vom 2. bis 4. Dezember fand die dritte Hauptleitungs-Sitzung der Sektion Mittelschuilehrer statt. Die Länderver-treter berichteten von dem erschütternden Elend der Mittel-schullehrer, die gezwungen sind, sich als Taglöhner, Hilfsarbeiter, Ziegelschupfer u. ä. ein Nebeneinkommen zu verschaffen, um leben zu können. Sie verwiesen auf die Notwendigkeit des 13. Monatsgehalts, um den seit einem Jahr gekämpft wird, auf das Zurückbleiben der Gehälter, die gegen die fünffacht Preissteigerung nur verdoppelt wurden, während die Löhne der Hilfsarbeiter das Drei- bis Vierfache erreichten, und auf die besoldungsmäßige Benachteiligung gegenüber anderen Akademikergruppen.
Sie klagten über die unwürdigen Wohnverhältnisse in Salz-burg, wo 26% der Lehrer nur 10m2 Wohnraum zur Ver-fügung stehen, während ein Häftling Anspruch auf 8 m2 hat. Kärnten forderte Aufklärung über die Ablehnung von sieben Minderbelasteten, während für drei Belastete (ein Träger des goldenen Parteiabzeichens, ein Ortsgruppenleiterstellvertreter, und ein Zellenleiterstellvertreter) eine neue Stellungnahme der Personalvertreter verlangt wurde. Der Vertreter unterstrich die Trostlosigkeit der Nachwuchsfrage, das monatelange Warten bei Ansuchen um Gehaltsvorschüsse und die schleppende Pragmatisierung. Kein Wunder, daß die Ländervertreter ihren Unmut oft in scharfen Worten zum Ausdruck brachten. Steiermark: „Die Hauptforderung nach dem 13. Monatsgehalt muß mit aller Gewalt und aller Wucht erreicht werden. Man hat das Gefühl, daß die Gewerkschaft nicht mit dem nötigen Nachdruck arbeitet und es vorzieht in Schönheit zu sterben. Die Wiener stehen unter dem Druck der Zentralbürokratie und können sich nicht durchsetzen. Man kann nicht immer Klugheit und Besonnenheit verlangen. Man verläßt sich anscheinend auf die Anständigkeit des Mittelschullehrers und glaubt, daß er die letzten Konsequenzen nie ziehen wird.“ Tirol: „Wir haben ein Pressereferat geschaffen, um die Öffentlichkeit über die trostlose Lage der Mittelschullehrer zu informieren. Wir fordern den 13. Monatsgehalt, nötigenfalls unter Anwendung stärkster Mittel.“ Vorarlberg: „Das Gewerkschaftsinteresse hat stark nachgelassen. Man hat den Eindruck, daß man in der Zentrale nicht mehr den richtigen Weg einschlägt; um Forderungen durchzusetzen. Die Kollegenschaft Vorarlbergs wäre ausgetreten, wenn sie die Rede des 2. Vorsitzenden der Gewerkschaft der öffentlichen Angestellten am Be-grüßungsabend gehört hätte. Kann oder will die Gewerkschaft die Forderung der Mitglieder nicht durchsetzen? Ist sie nicht fähig oder willens unserem Standpunkt zum Erfolg zu verhelfen? In der Steiermark war es möglich, den Arbeitern durch Streikandrohung über Nacht die Löhne zu erhöhen. Wir verlangen die Auszahlung des 13. Monatsgehaltes noch vor Weihnachten.“
So klang es noch am Dritten vormittags. Am Nachmittag fanden die Fraktionsbesprechungen statt, deren Folgen sich schon am nächsten Vormittag zeigten. Die rasante Sprache war verschwunden und ein M•nderheitsantrag, der die Wünsche der Länder vertrat und geeignet gewesen wäre, die Verhandlungen uni den 13. Monatsgehalt zu stützen und vorwärts zu treiben, wurde mit 23 :2 Stimmen abgelehnt. Man begnügte sich mit einer etwas lendenlahmen Fassung: Erhöhung der Mindestbezüge, Einleitung des Nachziehver-fahrens für die unteren Gehaltsstufen, Gleichstellung der Erzieher mit jenen der Bundeserziehungsanstalten, Entloh-nung jeder einzelnen Mehrleistungsstunde, Erhöhung der Sonderleistungsgebühren, Wohnungsvorsorge, verschärfte Preiskontrolle bzw. Preissenkung und Verabschiedung des Personalvertretungsgesetzes.
Da die Verhandlungen mit der Regierung bisher nichts brachten als die „milde“ Weihnachtsgabe von S 140 für Aktive und S 100 für Pensionisten, forderten die Länderver-treter der öffentlichen Angestellten die Weiterführung der Verhandlungen. Der Kampf geht weiter.