Am 15. Dezember 1948 fand eine Versammlung statt, die von der Landesgruppe Wien des Bundes demokratischer Lehrer und Erzieher einberufen worden war.
Bezirksschulinspektor Spitzer führte den Vorsitz. Das Referat hielt Hauptschullehrer Prusa. In eindrucksvoller Weise schilderte der Referent die Geschichte des Kampfes um den 13. Monatsgehalt. Er erzählte, wie schon auf der Länderkonferenz der Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes das Elend der Staatsangestellten in Erscheinung trat.
„Ein Mittelschullehrer mußte, um den Lebensunterhalt seiner mehrköpfigen Familie bestreiten zu können, seine Betten verkaufen und auf dem Boden schlafen … Die Verschuldung der Lehrer ist grenzenlos. Die letzten Habseligkeiten wandern ins Versatzamt, Teuerung und Zinswucher treibt sie in die Fänge von Kreditkassen. Das Elend schreit nach Abhilfe.“
Der Referent wies nach, wie die Lohnerhöhungen der letzten Jahre in keiner Weise den gesteigerten Lebenskosten entsprechen und wie die Regierung aus den Eingängen der Lohnsteuer, die weit über den Ansatz hinausgingen, sehr leicht imstande gewesen wäre, den 13. Monatsgehalt den öffentlichen Angestellten zu bezahlen. Kollege Prusa unterzog das Verhalten der Bundesregierung einer scharfen Kritik und bedauerte, daß die Gewerkschaft nicht energischer auf den gerechten Forderungen der Angestelltenschaft und damit auch der Lehrerschaft bestand. Er wies darauf hin, daß im Burgenland die öffentlichen Angestellten einen 13. Monatsgehalt ausbezahlt bekommen, ebenso wie die Grazer Straßenbahner. An der Diskussion über den Vortrag beteiligten sich zahlreiche Kollegen. Alle Dis-kussionsredner stimmten mit dem Referenten überein, daß Lehrer und Erzieher in ihrem gerechten Kampf für die Auszahlung eines 13. Monatsgehaltes sowie für ein gerechtes Nachziehverfahren nicht erlahmen dürfen. Mit Zustimmung wurde die Anregung aufgenommen, daß der Bund demokratischer Lehrer und Erzieher auch in der Zukunft öfter Aussprachen über gewerkschaftliche Fragen veranstalte.