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Erscheinungsjahr: 

1949

Ausgabe: 

1949-01

Autor/Autorin: 

G. Michalek
Der Berufsschule droht Gefahr!

Es zweifelt heute niemand mehr daran, daß die Berufsschule nach der Pflichtschule die wichtigste Schulgattung ist. Durch sie gehen die Facharbeiter unseres Staates, die mit ihrer Arbeit zuin Ansehen unserer hochwertigen Produktion wesentlich beitragen. Unser Berufsschulwesen ist bestimmt eines der fortschrittlichsten in Europa und wir können stolz darauf sein.

Ein großer Teil des guten Rufes unseres Berufsschubwesens gebührt dem Lehrpersonal, dessen Zusammensetzung einem oberflächlichen Betrachter eigenartig erscheinen muß. Es besteht aus Doktoren, Dipl.-Ing., Ing. und in der Mehrzahl aus Fachleuten jeder Berufssparte, die ihr in jahrelanger Praxis erworbenes Wissen dem Schüler mitteilen und ihn mit allen Feinheiten des Berufes vertraut machen.

Jeder Außenstehende müßte nun annehmen, daß diese Arbeit, die ja nicht nur fachliche, sondern auch pädagogische Kenntnisse voraussetzt, entsprechend gewürdigt wird. Das aber ist keineswegs der Fall. Ja, es ist heute so, daß ein großer Idealismus dazu gehört, wenn jemand seinen Beruf verläßt, um in der Schule zu unterrichten, denn das Gehalt des Facharbeiters ist wesentlich. höher als das des Lehrers, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß der Lehrer bedeutend mehr Ausgaben hat (Bücher, Fachschriften usw.). Wie Not der öffentlich Angestellten ist allgemein bekannt, wobei ich noch hinzufügen will, daß es einem Lehrer heute unmöglich ist, sich und seine Familie zu erhalten. Durch diese vom Dienstgeber — in diesem Fall dem Staat — geübte Praxis könnte es geschehen, daß nicht mehr die besten Facharbeiter Lehrer werden, sondern Menschen, die aus anderen Gründen, als der Berufung zur Jugenderziehung den Beruf eines Lehrers erwählen. Diese Gefahr birgt die kurzsichtige Gehaltspolitik der Regierung in sich und es ist unbedingt notwendig, sich rechtzeitig damit zu befassen. Es muß so werden, daß der Jugenderzieher aus der Elite der Staatsbürger erwählt wird, daß ihm der Beruf Berufung ist und daß demgemäß auch seine Bezahlung seiner Leistung und seinem Wissen entspricht. Es müßten die Voraussetzungen geschaffen werden, daß unserem Volke die besten Erzieher und Fachleute zur Schulung unseres Facharbeiternachwuchses erhalten bleiben. Dann wird auch das heute übliche Gebrumme und Gezeter über die „verdorbene Jugend“ bald der Vergangenheit angehören.

Auf eine neue Wehrmacht kann verzichtet werden. Man gebe das Geld für Schule und Jugenderziehung aus und Österreich wird ein aufblühendes Land sein.

G. Michalek